Zweitinstrument fĂŒr Jazz/Rock/Pop-Songs

Monoton, langweilig und abgekoppelt von der Musik, so kann es einem schon mal ergehen, wenn man am Drumset einen Song lernen soll. Kein Wunder, denn in der Popmusik wiederholen sich nunmal die Rhythmen oftmals 3 Minuten lang. Schnell kommt der eine oder andere zu dem Schluss, dass es sich nicht lohnt, sich besonders intensiv mit dem Song auseinanderzusetzen. Meistens endet es damit, dass man die Kopfhörer aufsetzt und so lange zu dem Song spielt, bis man die gröbsten AblĂ€ufe verinnerlicht hat. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Trotzdem kann einen das GefĂŒhl beschleichen, recht oberflĂ€chlich mit der Musik umzugehen und in der Art der Interpretation nicht richtig weiterzukommen. Ausserdem fĂ€llt es vielen in einer Band schwer, Verantwortung zu ĂŒbernehmen, da sie es gewohnt sind, sich hinter einen perfekten Studioversion zu verstecken.

Was ist also möglich, um sich der Musik als Schlagzeuger verstĂ€rkt zu nĂ€hern und ein GefĂŒhl von aktiver Mitgestaltung zu provozieren?

Eine Art ist sicher das „Üben mit Leadsheets fĂŒr Schlagzeuger“ oder das „Üben mit Midis„, wie ich sie bereits im Blog vorgestellt habe. Ein zentraler Punkt ist jedoch, dass man auch als Schlagzeuger verstehen sollte, dass einen der tonale Bereich der Musik genau so betrifft wie den Keyboarder oder den Gitarristen. Das Drumset ist deshalb so besonders, weil es erstmal keine Töne produziert. Trotzdem kann man melodiös und harmonisch spielen. Rhythmus, Melodie und Harmonie ergeben eine Einheit, die den Song zum Leben erweckt. Neuinterpretationen sind erst möglich, wenn man alle Ebenen des Songs verinnerlicht hat. Diese lernt man am besten an einem Zweitinstrument.

Ich will also auf die BerĂŒhrungsĂ€ngste hinaus, die viele Schlagzeuger mit melodiösen oder harmonischen Aspekten des Songs haben. Oftmals besteht der Glaube, dass sich eine Auseinandersetzung nicht lohnt, da man ja nicht direkt am tonalen Geschehen teilnimmt. Dies ist wahrscheinlich der grösste Trugschluss ĂŒberhaupt in der modernen Drumset PĂ€dagogik. In der Welt des klassischen Schlagzeugs besteht kein Zweifel, dass man auch StĂŒcke auf dem Xylophon, der Pauke oder dem Vibraphon lernt. Nun soll das kein PlĂ€doyer sein, dass man als Jazz/Rock/Pop begeisterter Drumset Spieler eine klassische Schlagzeug Ausbildung braucht. Das ist sicher auch okay, aber es gehört eben auch zu den Problemen der Schlagzeug Welt, dass es zu viel Material und Instrumente gibt, die man nicht alle beherrschen kann. Ab einem gewissen Zeitpunkt sollte sich daher herauskristallisieren, wo die persönlichen PrĂ€ferenzen liegen.

Hier soll es also um den Punkt gehen, an dem man sich fĂŒr das Drumset mit seinem Jazz/Rock/Pop Kontext entscheidet. Viele sind von da an der Meinung, dass es an der Zeit ist, wie besessen Technik und Rudiments zu ĂŒben. Aber dieser Weg endet oft in einer Sackgasse, weil die melodiösen und harmonischen ZusammenhĂ€nge verkĂŒmmern und die Technik nicht richtig in den Zusammenhang der Songs gesetzt werden kann. Meiner Meinung nach gilt das fĂŒr jedes Niveau. Wenn man sich ausschliesslich mit Rhythmik beschĂ€ftigt, wird die Musik  schnell auch mal unvollstĂ€ndig und langweilig.

FĂŒr einen klassischen Schlagzeuger ist es selbstverstĂ€ndlich, dass er neben dem Bolero auf der Snare Drum auch den Zauberlehrling am Xylophon beherrscht. Wir tĂ€ten gut daran, die gleiche Einstellung auch fĂŒr den Jazz/Rock/Pop Kontext zu etablieren. Songs, die man am Vibraphon, auf der Gitarre, dem Klavier oder einfach dem Gesang, beherrscht, wird man auch am Schlagzeug besser spielen können.

Gerade im Jazz/Rock/Pop Bereich gibt es viele Songs, die ganz einfach zu lernen sind. Das Blues Schema sei mal als erstes genannt. Viele Songs bestehen ebenfalls nur aus 2 oder 3 Akkorden. Es ist super, dass man in diesem Genre mit ganz wenig Aufwand schon Musik machen kann. Also nichts wie ran an die Zweitinstrumente, den Gesang oder den Synthesizer.

0 Kommentare

Aktuelle BeitrÀge

Alle ansehen